Hamburgs großer Durst - Umland leidet

15. Oktober 2009 | Von mlo

Bürger im nördlichen Niedersachsen wehren sich gegen das Vorhaben der Großstadt, dort mehr Wasser für ihren Bedarf zu fördern.

Südlich von Hamburg wackelt die Heide: Das städtische Unternehmen Hamburg Wasser hat beantragt, über das Wasserwerk Nordheide künftig 16,6 Millionen Kubikmeter jährlich entnehmen zu dürfen, eine Menge, die auf 30 Jahre festgeschrieben werden soll. Bislang pumpt Hamburg in der Nordheide 15,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Vor allem Naturschützer befürchten schwere Schäden für die Umwelt. Nach Angaben der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN) ist der Grundwasserspiegel im Bereich der Este durch die jahrzehntelange Entnahme bereits um 50 Zentimeter gesunken, fielen Flüsse und Bäche trocken. IGN-Chef Karl-Hermann Ott: "Es gibt auch immer wieder unerklärliche Setzungsschäden an Gebäuden im Entnahmegebiet." Bei einem Infoabend sagte es ein Landwirt drastisch: "Wenn die hier noch 30 Jahre pumpen, wird die Lüneburger Heide zur Wüste."

Das Nass aus der Heide wird unter der Elbe hindurch gepumpt

Der Streit um das Heidewasser für die Metropole hat Tradition, seit das Werk Nordheide Anfang der 1980er in Betrieb ging. Bald trockneten erste Gewässer aus, woraufhin der Senat versprach, nicht mehr als 15 Millionen Kubikmeter zu entnehmen. Das Nass aus der Heide wird unter der Elbe hindurch zu Haushalten in Altona und Ottensen gepumpt. Besonders wurmt die Heidebewohner, dass Hamburg trotz angeblicher Überkapazitäten mehr fördern will. Ott: "Hamburg liefert Lübeck seit diesem Jahr bis zu fünf Millionen Kubikmeter im Jahr." Hamburg Wasser widerspricht: "Die Lieferung an Lübeck erfolgt aus unserem Wasserwerk Großhansdorf. Das könnten wir nicht nach Altona pumpen", sagt Sprecher Carsten Roth. Er räumt Umweltschäden in der Nordheide ein, doch seien diese "sehr gering und absolut vertretbar".

Ganz abdrehen will die IGN Hamburg den Hahn nicht. Aber es dürfe "nur der unabweisbare Bedarf genehmigt werden", fordert Ott. Und für ihn steht fest: "Einen Vertrag über 30 Jahre darf es nicht geben." Eine Entscheidung will der Landkreis Harburg frühestens Anfang 2010 treffen.