Reportage

Der Heide geht das Wasser aus

Die Bewohner der Nordheide fürchten, bald auf dem Trockenen zu sitzen.

 

Landwirt Klaus-Detlef Kröger aus Wörme stapft durch den Wald im nahegelegenen Wintermoor. Er zeigt auf ein braunes Hinweisschild mit der Aufschrift "Este", doch in dem zwei Meter tiefen Graben ist vom Heidefluss Este nichts zu sehen." Wir stehen im Flussbett der Este, mitten in trockenem Laub. Hier fließt kein Wasser, kein Fisch kann sich hier tummeln, keine Amphibien finden hier ihre feuchten Rückzugsräume." Dies beobachte der Landwirt seit Abpumpen des Grundwassers durch die Hamburger Wasserwerke. "Seit Jahrzehnten kämpfen wir darum, dass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird", meint Kröger.

Wasserstandsschwankungen schädigen Natur

Auf acht Kilometern ist die Este inzwischen trocken, sagt der Landwirt - ganzjährig. Auch die Seeve führe seit Jahren weniger Wasser. Und auf seinem Hof in Wörme, der in der Nähe mehrerer Trinkwasserbrunnen liegt, kann er ebenfalls Veränderungen beobachten. So sei einer seiner Quellteiche zeitweise ausgetrocknet gewesen. "Erst nach Selbstbeschränkung der Hamburger Wasserwerke kam das Wasser wieder", sagt Kröger. Mit der Folge, dass an diesem Teich "50 Prozent der Eichen einfach weggestorben sind, weil sie die Schwankungen des Wasserstandes nicht vertragen haben."

Aufstockung der Fördermenge gefordert

15,7 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr fördern die Hamburger Wasserwerke derzeit in der Nordheide. Nun fordern sie aber vom Landkreis Harburg eine Bewilligung über bis zu 16,6 Millionen Kubikmeter. Die Heide verkrafte das. Die Schäden seien bisher gering, sagt der Sprecher der Wasserwerke, Carsten Roth. Die 16,6 Millionen begründet er zum einen damit, dass Experten einen leicht erhöhten Bedarf vorhersehen. Die Gesamtmenge des in Hamburg geförderten Grundwassers sei leicht rückläufig. "In manchen Werken drohen Versalzungsproblematiken, die wir in der Nordheide nicht haben", meint Roth.

Folgeschäden für die Heide befürchtet

Die Nordheide als Problemlöser? Volker Hinz, Bürgermeister der Samtgemeinde Hanstedt, sieht das nicht ein. Nicht mehr, sondern weniger Wasser solle der Landkreis Harburg bewilligen, findet er. "Auch die Landwirtschaft benötigt mehrere Millionen Kubikmeter Beregnungswasser." Zudem pumpe der Wasserbeschaffungsverband Landkreis Harburg aus der Heide ab. "Denn auch wir brauchen natürlich Trinkwasser", sagt Hinz. Das Ergebnis: Weit über 20 Millionen Kubikmeter werden Jahr für Jahr aus der trockenen Heide abgepumpt. "Das kann nicht ohne Folgeschäden bleiben."

Streitpunkt Wasserverkauf

Den Hamburgern den Wasserhahn ganz zudrehen, gehe natürlich nicht, sagt der Bürgermeister. Aber die Menge, die Hamburg bekomme, sei schon heute überzogen. Besonderes ärgere ihn, dass Hamburg fünf Millionen Kubikmeter Trinkwasser an Lübeck verkaufe.

Entscheidung erst im nächsten Jahr

Der Sprecher der Hamburger Wasserwerke betont, es gebe eine vertragliche Verpflichtung Lübeck auszuhelfen. Außerdem würden die vereinbarten fünf Millionen zurzeit gar nicht erreicht. Der Landkreis Harburg brütet momentan über den fünfzehn dicken Aktenordnern mit den Antragsunterlagen aus Hamburg. Eine Entscheidung über die Wassermenge aus der Nordheide werde wohl erst Mitte nächsten Jahres fallen, heißt es. Denn man wolle den Bedarf und auch die Bedenken sorgfältig prüfen.

Interview zum Beitrag - Der Heide geht das Wasser aus. - Audio MP3 - 3,5 MB

Autorin/Autor: Kerstin Geisel, NDR Info

Stand: 05.10.2009 07:49