Internet News von HL Live vom 6.01.2009

Lübeck trinkt Hamburger Wasser aus Stormarn

Seit Dienstag um 10.15 Uhr begann für die Lübecker Wasserversorgung eine neue Ära: Erstmals versorgt die Stadt sich nicht mehr selbst, sondern kauft ihr Trinkwasser bei "Hamburg Wasser". Die Gründe: Das Lübecker Grundwasser schmecke zunehmend salziger und die Kooperation sei betriebswirtschaftlich sinnvoll.

37 Kilometer ist die neue 60 Zentimeter dicke Pipeline zwischen Großhansdorf in Stormarn und Lübeck lang. Rund 20 Millionen Euro hat "Hamburg Wasser" für das Bauwerk investiert, das im Gewerbegebiet Roggenhorst endet. Anfangs werden 3,2 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr geliefert, in einigen Jahren sollen es bis zu fünf Millionen Kubikmeter sein.

Das Geschäft ist für beide Seiten sinnvoll: Die Hamburger Bürger sparen immer mehr beim Wasserverbrauch. Dadurch sind im Wasserwerk Großhansdorf Kapazitäten frei geworden. Die Lübeck können jetzt auf den geplanten Neubau eines Wasserwerks bei Geschendorf verzichten.

Die Lübecker haben ein Problem mit ihrem Grundwasser: es mineralisiert zunehmend, der Geschmack wird zunehmend salziger. Mit dem Wasser aus Groß Hansdorf kann die Förderung bei den bestehenden Wasserwerken eingeschränkt werden. "Und das Grundwasser in Geschendorf bleibt als Potential für zukünftige Generationen erhalten", sagt Martin Pieper, Leiter der Wasserversorgung bei den Stadtwerken Lübeck.

In Lübeck geht eine Ära zu Ende: Bisher wurde auf eine Wasserversorgung aus dem eigenen Gebiet Wert gelegt. Bis 1972 tranken die Lübecker das Wasser aus der Wakenitz, später hauptsächlich aus den Wasserwerken Kleinensee und Groß Disnack. Die werden ihre Förderung in Zukunft einschränken. Der Bedarf der Stadt liegt bei etwa 13 Millionen Kubikmetern im Jahr.

Der Frost wird der neuen Pipeline keinen Schaden zufügen. Bei Außentemperaturen von minus 13 Grad am Dienstag kam das Wasser mit rund zehn Grad in Roggenhorst an. "Das Wasserrohr liegt 1,50 bis zwei Meter tief in der Erde", erklärt Stefan Bendinger von "Hamburg Wasser". Außerdem fließe das Wasser relativ schnell. Es benötigt für die 37 Kilometer rund 24 Stunden.


06.01.2009 ... HL Live - Interview zum Beitrag - Audio MP3 - 2,0 MB