Von wegen "Wachsende Stadt": Jetzt müssen die Zahlen für die Bevölkerungsentwicklung nach unten korrigiert werden.

Bevölkerungsentwicklung
Foto: Frank Hasse

Von der "Wachsenden Stadt" zu "Wachsen mit Weitsicht" - das langsamere Tempo des neuen Leitbildes des Senats schlägt sich nun auch in konkreten Zahlen nieder: Der Senat korrigiert die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung nach unten. Das geht aus einer Senatsdrucksache hervor, die dem Abendblatt vorliegt.

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So werden im Jahr 2020 rund 30 000 Menschen weniger in Hamburg leben, als das noch 2004 in einer Modellrechnung des Basisdatenausschusses (BDA) des Statistikamtes Nord in Zusammenarbeit mit den Hamburger Behörden und Bezirken vorausgesagt wurde.

Damals waren die Experten davon ausgegangen, dass Hamburg im Jahr 2020 rund 1 813 900 Einwohner haben werde. Doch in einer neuen BDA-Modellrechnung wird nun von 1 784 700 Menschen im Jahr 2020 ausgegangen. Die neue Prognose zur Bevölkerungsentwicklung reicht bis ins Jahr 2025, dann sollen in der Hansestadt 1 786 100 Einwohner leben.

Als Grundlage für die neuen Zahlen dient dabei das korrigierte Melderegister: "Es hat im vergangenen Jahr umfangreiche Bereinigungen des Melderegisters gegeben, und zwar hauptsächlich als Folge der Einführung der einheitlichen Identifikationsnummer durch und für die Finanzämter", sagt Wolfgang Bick, Vorstand des Statistikamtes Nord.

So seien allein in diesem Jahr 16 208 Personen von Amts wegen abgemeldet worden. In Hamburg leben laut Melderegister (Stand: 30. April 2009) 1 730 984 Einwohner. Für die Stadtentwicklung dürften die neuen Zahlen von weitreichender Bedeutung sein. Die Fachbehörden sollen nun laut Drucksache vom Senat beauftragt werden, "ihre Planungen und Programme auf der Grundlage der Modellrechnung umgehend zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen." Auf Abendblatt-Anfrage betonte Senatssprecherin Kristin Breuer, dass es sich bei dieser Datenbereinigung um keinen Hamburger Alleingang handele: "Auch die übrigen Bundesländer werden Korrekturen vornehmen." Grundsätzlich sei diese Maßnahme sinnvoll: "Damit können wir auf Basis wesentlich genauerer Daten unsere Planungen vornehmen."

Weniger Einwohner bedeutet weniger Bedarf für öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten. Was für eine Infrastruktur an 30 000 Einwohnern hängt, zeigt sich an Uelzen: So gibt es dort zwei Theater und mehr als zehn Kirchen. Dazu kommen zehn Schulen und zwei Krankenhäuser, sowie mehr als zehn Hotels und Pensionen.

Aber CDU-Stadtentwicklungsexperte Hans-Detlef Roock sieht die neuen Berechnungen gelassen: "Ich finde 30 000 Einwohner weniger als bisher prognostiziert nicht dramatisch." Unterdessen vermutet SPD-Stadtentwicklungsexperte Andy Grote: "Die Auswirkungen dieser Prognose werden vom Senat genauso wenig berücksichtigt werden wie die vorhergehenden Prognosen." Für Joachim Bischoff (Die Linke) steht fest: "Wir müssen nun die Planungen den neuen Bedürfnissen anpassen. Das gilt insbesondere bei Infrastrukturmaßnahmen."

Aber vielleicht kann Hamburg ja doch noch die 30 000 weniger prognostizierten Einwohner wettmachen: "Die neuen Berechnungen sind ein großer Ansporn dafür, noch mehr Menschen für diese wunderbare Metropole zu begeistern", sagt Senatssprecherin Breuer.

Immerhin zeigte die Entwicklung in der Vergangenheit: Von 1987 bis 2009 ist die Zahl der Einwohner um rund 137 000 gestiegen, das entspricht einem Plus von rund 8,6 Prozent.